Eine Frage der Moral – Schummelei bei Lampen

Eine Frage der Moral – Schummelei bei Lampen

Alle haben über VW und deren Praktiken, die Messwerte zu beeinflussen, den Kopf geschüttelt. Jetzt hat sich die Presse die Leuchtmittelhersteller vorgenommen. Alle großen Zeitungen (Links siehe unten) haben das Thema aufgegriffen und werfen den Leuchtmittelherstellern (legale) Schummelei vor. Wie weit die Nachricht verbreitet ist, sieht man beiGgoogle. Die Kombination „Schummelei Lampen“ kommt zum Zeitpunkt, wo diese Artikel verfasst wird, auf 43.000 Treffer. Suchlink Google „Schummelei Lampen“

Was wird den Leuchtmittelherstellern vorgeworfen?

In der Ökodesignrichtlinie ist für die Messungen, die den Watt- und Lumenangaben zugrunde liegen, offensichtlich eine Messtoleranz von bis zu 10% zulässig. Den Presseberichten zufolge nutzen die Leuchtmittelhersteller das so aus, dass auf die Messwerte die 10% Toleranz einfach aufgeschlagen werden. Im Klartext heisst das, dass ein Leuchtmittel einen um 10% erhöhten Energieverbrauch haben kann. Als Maximalwert einer Toleranz kann man das durchgehen lassen, wenn gezielt die Industrie diese Toleranzgrenze generell ausnutzt, ist das schon was anderes. Jedenfalls entspricht das nicht der Intension der Ökodesignverordnung. (Bei der Ermittlung der Energieeffizienzklassen gibt es dieses Schlupfloch der weit gefassten Toleranzen nicht – hier hat die EU schon 2012 entsprechend reagiert). Rein rechtlich ist dieses Verhalten nicht angreifbar.

Die einseitige Ausnutzung der Toleranz

Wenn der Vorwurf zutrifft, dass die Industrie diese Toleranz voll ausnützen kann, dann wird auch gleichzeitig zugegeben, dass man offensichtlich schon sehr genau messen kann. Die Ökodesignverordnung stammt aus dem Jahre 2010, unter Berücksichtigung des parlamentarischen Durchlaufs dürfte der technische Stand etwa dem Niveau und den Möglichkeiten des Jahres 2008 entsprechen. Die Industrie kann, wenn sie denn nur wollte, die vorgesehenen Werte recht genau messen.

Die Stiftung Warentest sagt zwar „es ist möglich, bessere Lampen zubauen, aber dann wird es teurer“ (Welt 18.12.2015; S. 11)  Die Stiftung Warentest hat hier offensichtlich die Vorstellung, das Qualitätskontrolle in der Industrie immer noch nach dem Aschenputtelprinzip (Brüder Grimm, ca um das Jahr 1800) gehandhabt wird. „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“. Das kann sich die hochautomatisierte LED-Produktion nicht leisten. Da wird jeder noch so kleine Arbeitsschritt hochgradig perfektioniert um Ausschuss und schlechte Qualitäten zu vermeiden. Nur so kann man heute kostengünstig produzieren.

Die Täuschung der Verbraucher

Auch wenn es sicherlich Hersteller gibt, die diesen 10%-Spielraum nicht voll ausnutzen, ist am Ende der Verbraucher getäuscht. Wenn die auf den Verpackungen angegebenen Werte nicht mehr verlässlich sind, kann man diese auch gleich ignorieren und preisorientiert kaufen. Im Klartext nimmt dann der Verbraucher halt die billige Chinesen-LED. Schlecht für die Marken, deren wesentlicher Bestandteil das Produktvertrauen ist. Das verspielt man nur einmal.

Produktverantwortung der Industrie

Im Einzelfall bezogen auf ein Leuchtmittel hat der Verbraucher nur wenige Cent im Jahr Mehrkosten. Laut Stiftung Warentest geht es da um ca 1 kw pro Jahr. also 25-30 Cent. Bei Leuchtmitteln geht es aber nicht um Einzelstücke, sondern um Milliarden Produkte. Damit hat dieser versteckte Energiemehrverbrauch eine globale Bedeutung für die Erderwärmung. Die Klimakonferenz in Paris ist nun grade vorbei. Derzeit steigt erwärmungsbedingt der Meeresspiegel um ca 3 mm/Jahr. Meeresspiegelanstieg im Detail Inseln wie Tuvalu oder die Malediven sind bereits ernsthaft vom Untergang bedroht.  Und dass halb Holland heute schon deutlich unter dem Meeresspiegel liegt, wird nur verdrängt. Die Deichbautechnik schützt die Niederlande. Ob der Wettlauf mit dem Meer zu gewinnen ist, wird man sehen.  Aus dieser Sicht ist ein versteckter Energieverbrauch nicht mehr tolerierbar. Und wegen der globalen Dimension darf man hier schon die Frage nach der Produktverantwortung der Industrie stellen. Und wenn man so will, eine Frage der Moral.

Energieeffizienz als Marketinginstrument

Warum die Energieeffizienz als Marketinginstrument im Leuchtenbereich kaum genutzt wird, ist unverständlich. Auf zahllosen Webseiten international führender Hersteller kein ernsthaftes Wort zu diesem Thema. Höchstens ein schwer zu findender Link zum Download der Energielabels. IKEA ist da einer der wenigen Anbieter von Leuchten und Leuchtmitteln,  der Energiesparen und Nachhaltigkeit lautstark artikuliert (IKEA.de) und auch umsetzt. Die Reduzierung des IKEA-Sortiments auf LED ausschliesslich stellt sich dort als Umsatztreiber heraus.

 

Links zum Thema

http://www.sueddeutsche.de

http://www.welt.de

http://www.bild.de

http://www.spiegel.de/

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Seit 2008 publizieren wir zum Thema Licht und Beleuchtung.

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1 Comment

  1. Redaktion

    Hier eine offizielle Stellungnahme von Havells Sylvania zu diesem Thema:
    „Havells Sylvania ist Mitglied des LightingEurope, dem Branchenverband der Lichtindustrie in Europa. Wir nehmen europäische Gesetze und Richtlinien für Leuchtmittel sehr ernst. Wir, zusammen mit allen Mitgliedern des LightingEurope, handeln im Rahmen, der in der EU-Richtlinie festgelegten Normen und Spezifikationen, die in Europa gesetzlich vorgeschrieben sind.
    Wir bieten energieeffiziente, zuverlässige und sichere Produkte, die nach höchstmöglichen Standards produziert und strengen Tests unterzogen werden, um alle relevanten Produkteigenschaften zu erfüllen.“

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